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CCS oder CCM in der AEM-Elektrolyse: Lehren aus NEWELY

Zwei großflächige Elektrolyse-Elektroden nebeneinander mit Lineal als Größenvergleich.

Wer einen AEM-Elektrolyseur baut, muss früh entscheiden, wohin der Katalysator kommt. Er kann auf die Membran aufgebracht werden – das ergibt eine katalysatorbeschichtete Membran (CCM), den Standard in der PEM-Elektrolyse. Oder er wird auf die poröse Transportschicht aufgebracht, die so zur katalysatorbeschichteten Elektrode wird, meist CCS genannt, und gegen eine unbeschichtete Membran gepresst. Das EU-Projekt NEWELY (2020–2023, koordiniert vom DLR, Katalysatoren von uns) hat beide Wege ausprobiert. Die öffentlichen Berichte dokumentieren offen, warum das Projekt am Ende auf CCS gesetzt hat.

Zu den Berichten: D3.10 „MEA production“ · D1.10 „Final report“ · NEWELY Ergebnisse auf CORDIS

Der CCM-Versuch

Aus der PEM-Welt weiß man, dass CCMs den besten Kontakt zwischen Katalysator und Membran bieten. Die NEWELY Partner probierten deshalb mehrere Herstellungswege: direktes Sprühen, Rakel- und Stabbeschichtung sowie Decal-Transfer. Direkt auf die AEM gesprüht, delaminierte die Schicht stark, sobald die Membran in KOH aktiviert wurde – AEMs quellen und verformen sich deutlich stärker als PEM-Membranen. Der Decal-Transfer mit schonendem Heißpressen funktionierte mechanisch, doch die so hergestellten CCMs blieben sowohl in reinem Wasser als auch in 0,1 M KOH deutlich unter dem Ziel.

Die Lehre gilt allgemein: Dieselbe Quellung, die AEMs gut leiten lässt, erschwert es, eine Katalysatorschicht dauerhaft auf ihnen zu halten. Deshalb hält der Abschlussbericht fest, dass sich das Projekt auf CCS-Elektroden im Betrieb mit stark verdünnter (0,1 M) KOH konzentrierte.

Der CCS-Weg

Für die CCS-Elektroden kamen unsere PGM-freien, CRM-freien Katalysatoren zum Einsatz – Vorläufer unserer heutigen Produktlinien OXYGN™ Anode und H2GN™ Kathode. Gebunden wurden sie mit dem im Projekt entwickelten PFAS-freien Ionomer und bei CEA und DLR sprühbeschichtet. Die öffentlichen Ergebnisse:

  • Projektmeilenstein erreicht. Die Zellspannung lag bei 1 A/cm² in 0,1 M KOH und 50 °C unter 2 V – mit MEAs ganz ohne Platinmetalle.
  • Komplette NEWELY MEA. Mit projekteigener Membran, projekteigenem Ionomer und unseren Katalysatoren erreichte eine 25-cm²-Zelle 1,5 A/cm² bei 2 V (0,1 M KOH, 50 °C).
  • Aktivität der Katalysatoren. Bei der öffentlichen Abschlussveranstaltung des Projekts (EMEA Workshop, Juni 2023) berichteten wir für unsere CRM-freien Katalysatoren Überspannungen von 215 mV für die Sauerstoffentwicklung und 116 mV für die Wasserstoffentwicklung bei 10 mA/cm², 1,5 A/cm² bei 2 V in einer Einzelzelle mit sprühbeschichteten CCS-Elektroden sowie auf 200 cm² hochskalierte Elektroden für den Stack.
  • Potenzial der Katalysatoren. In unserer eigenen Testzelle mit kommerzieller Membran, kommerziellem Ionomer und kommerziellen Transportschichten erreichten die Katalysatoren 1,85 V bei 2 A/cm² in 0,1 M KOH.
  • Lebensdauer. Die Langzeittests liefen 780 Stunden in einer 2-cm²-Zelle und 368 Stunden in einer 25-cm²-Zelle. Der 25-cm²-Test lag im Mittel bei 28 µV/h und endete nur, weil der Teststand ausfiel.

Der Betrieb mit reinem Wasser, das ursprüngliche Ziel, gelang nicht: Frühe Zellen erreichten bei 2 V nur einige zehn mA/cm². Die Berichte sagen das klar – und genau das prägte die Strategie mit verdünnter KOH, die HYScale später übernommen hat.

Beschichtung im größeren Maßstab: von 25 auf 200 cm²

Der Bericht zur MEA-Herstellung enthält auch praktische Fertigungsdetails. Am DLR wurden die Elektroden mit einem automatischen Ultraschall-Sprühbeschichter in mehr als hundert Durchgängen aufgebaut, mit wechselnder Sprührichtung für eine gleichmäßige Schicht. Einige Erkenntnisse:

  • Tintenstabilität zählt im großen Maßstab. Eine Tintenformulierung setzte sich während der langen Sprühläufe für große Elektroden ab, eine andere blieb stabil. Kurze Laborläufe decken dieses Problem nie auf.
  • Overspray ist teuer. In die Tinte ging etwa dreimal so viel Katalysator, wie am Ende auf der Elektrode landete – rund 60 % Verlust. Mit wachsenden Stückzahlen spricht das für Beschichtungsverfahren mit besserer Materialausbeute.
  • Das Scale-up hat funktioniert. Nach der Qualifizierung bei 25 cm² entstanden mit denselben Parametern je sechs Anoden und Kathoden mit 200 cm² für den 5-zelligen Hochdruck-Stack des Projekts.

Von NEWELY bis heute

In NEWELY hat unser CCS-Ansatz Gestalt angenommen. Seitdem sind unsere OXYGN™ und H2GN™ Elektroden in HYScale auf 400-cm²-Formate gewachsen. In einem unabhängigen DLR-Test erreichten sie 2 A/cm² bei etwa 2 V in 0,1 M KOH (mehr dazu in unserem D3.1-Beitrag) und kommen heute im validierten 6-kW-Short-Stack und im 100-kW-System von HYScale zum Einsatz.

Sie wägen CCS und CCM für einen AEM-Stack ab? Unser AEM Qualification Pack (englisch) enthält ein empfohlenes Testprotokoll und eine Spezifikationsübersicht. Montagefertige Elektroden finden Sie auf den Produktseiten zu OXYGN™ und H2GN™.

NEWELY wurde vom Gemeinsamen Unternehmen Brennstoffzellen und Wasserstoff 2 (FCH 2 JU) im Rahmen der Finanzhilfevereinbarung Nr. 875118 gefördert.

Quellen

  1. NEWELY Deliverable D3.10 „MEA production“ (öffentlich, CC BY 4.0), Zenodo
  2. NEWELY Deliverable D1.10 „Final report“ (öffentlich, CC BY 4.0), Zenodo
  3. NEWELY Ergebnisseite, CORDIS
  4. Vortrag von CENmat zum NEWELY Elektrodenpaket bei der öffentlichen Abschlussveranstaltung des Projekts, EMEA Workshop 2023, Bad Zwischenahn, 20. Juni 2023

Sie möchten über Ihr Projekt sprechen? CENmat entwickelt AEM- und PEM-Elektrolyse vom Material bis zum System: AionFLX™ Membranen und Ionomere, OXYGN und H2GN Katalysatoren und Elektroden, Ultra-Low-Iridium-Katalysatoren und CCMs für PEM sowie HYScale Stacks und Systeme. Muster anfordern, Datenblätter erhalten, Kontakt aufnehmen oder weiter im CENmat Blog lesen.